Welche Kompetenzen zählen?

Für Manager und Führungskräfte gibt es mehr Philosophien, Fortbildungsangebote, Förderprogramme, Literatur etc. denn je. Welche Kompetenzen aber zählen wirklich? Was brauche ich, um Vertrauen zu kreieren, Mitarbeiter zu inspirieren und Beruf sowie Privatleben erfolgreich zu steuern? Eine erfahrene Führungskraft berichtet…

Dominique Faessler, 69, schweiz-australischer Doppelbürger, war lange Jahre in einem internationalen Pharmakonzern in führenden Positionen tätig, u.a. in der Schweiz, Hongkong, Australien und den USA. Mit seiner Frau Francoise berät und begleitet Dominique heute Geschäftsleute und Führungskräfte in vielen Ländern. Dominique ist Mitglied im LIF Leitungsteam.

 

In der Schule eher Mittelmaß, am Anfang seiner Karriere so gut wie keine Seminare und Förderprogramme, aber mit Anfang 30 bereits Chef von Roche Australia – und im weiteren Verlauf seiner Karriere in noch höheren Positionen tätig. Was ist – neben Fachkompetenz – wirklich wichtig, um beruflich und persönlich erfolgreich zu sein? Dominique Faessler hat dazu eine klare Meinung. Die entscheidenden Faktoren: Persönlichkeit, Liebe zu Menschen, Integrität, sowie Ehe und Familie als Rückhalt. Dominique über das, was wirklich zählt:

 

Ich war nicht so gut in der Schule, habe im Internat aber gelernt, wie man Prioritäten setzt und an einer Sache dran bleibt. Ziele, Leidenschaft, Fokus und Ausdauer sind wichtig.

 

Ich versuchte immer, mein Bestes für Menschen zu geben. Das motiviert Mitarbeiter. You need to love people!

 

Führung ist nicht eine Sache von Titel und Position. Es geht darum, Menschen zu helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen.

 

Ganz wichtig ist Teamfähigkeit. Es braucht Zeit und Vision, die richtigen Mitarbeiter für Schlüsselpositionen zu finden. Besser eine Key Position nicht besetzen, als zu rasch zu handeln und die falsche Person einzusetzen.

 

Mut haben, auch Leute auszuwechseln. Leute, die nicht kompetent und/oder nicht teamfähig sind. Das ist zunächst schwierig. Die meisten sind mir im Nachhinein aber dankbar gewesen.

 

Als Führungskraft bin ich Coach, mein Team ist die Mannschaft. Wir spielen als Team, um zu gewinnen.

 

Ich bin nicht „besser“ und auch kein „Diktator“. Wichtig ist, Mitarbeiter ernst nehmen, ihre Erfahrungen wertschätzen, klar kommunizieren und gut zuhören.

 

Wir brauchen eine Vertrauenskultur. Integrität ist die Basis für Vertrauen. Das heißt: Vertrauen durch Integrität. Darüber wird heute viel geredet, aber es wird wenig praktiziert.

 

Damit ich auf Kurs bleibe, brauche ich ehrliches Feedback und Reflexion. Immer wieder eine Zeit der Stille, ein Gebet, ein Spaziergang in der Ruhe… in jedem Fall einen geschützten Raum / das heißt eine Möglichkeit, wo ich ausserhalb des Tagesgeschäftes reflektieren kann.

 

Meine Ehe und Familie sind mir als Rückhalt extrem wichtig. Meine Karriere wäre nicht möglich gewesen, ohne die Unterstützung und den Zuspruch meiner Frau. Frau und Kinder haben einen hohen Preis dafür gezahlt, dass ich aufsteigen konnte.