Aus der Illusion der Unsterblichkeit aussteigen

Das Flugzeugunglück in Kolumbien, bei dem ca. 70 Menschen ums Leben kamen – darunter fast die komplette Mannschaft des brasilianischen Fussball-Klubs Chapecoense – ist erschütternd. Was mich vor allem im Blick auf die jungen Fussballer besonders bewegt, ist das plötzliche Hereinbrechen der Katastrophe, völlig unerwartet – ich vermute, das hatte keiner auf der Rechnung.

Junge, dynamische, erfolgreiche Stars mit aussichtsreicher Karriere vor Augen. Wer hat in dem Moment – in der Betriebsamkeit und dem Enthusiasmus des Tagesgeschäftes – daran gedacht, dass das eigene Leben so schnell vorbei sein könnte? Wahrscheinlich nicht viele.

Mir geht es manchmal ähnlich. Die täglichen Aufgaben und Herausforderungen nehmen so sehr ein, dass ich mich (meist schleichend) vom „Leben“ ins „Gelebt werden“ verschiebe. Gleiches stelle ich bei vielen Führungskräften fest. Wie oft leben wir fremdgesteuert, versuchen dabei die Erwartungen anderer zu erfüllen, reiben uns auf in Aktivitäten, die – bei Licht betrachtet – gar nicht so wichtig sind, wie sie erscheinen. Wir sind in einer Illusion der Unsterblichkeit gefangen und leben so, als könnten wir ewig weitermachen… Bis dann der Crash kommt, der unerwartete Einbruch, die Krankheit oder Katastrophe, die uns auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Was folgt, ist großes Zähneknirschen und die Frage, warum man nicht früher besser gelebt hat.

Deshalb: Ich ermutige uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Was und vor allem Wer ist wirklich wichtig in meinem Leben? In den Psalmen der Bibel heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90:12). Vom Ende her denken, Werte und Prioritäten überprüfen und mit der tatsächlichen Lebenspraxis abgleichen, hat mit Klugheit zu tun, die uns fit macht für mehr Lebensqualität.

Hier der Weihnachtsclip von Edeka. Dass wir auf die Kampagne eines Unternehmens verlinken, ist unüblich – die Message des Films aber trifft den Nagel auf den Kopf:

Erlauben Sie mir noch einen weiteren persönlichen Gedanken. Wir brauchen einen Ausstieg aus der Illusion der Unsterblichkeit, damit wir in wirkliches Leben einsteigen können. Gott wurde in der Person von Jesus Christus Mensch, damit wir aus der Beziehung zu ihm (wirklich) leben können. Jetzt und über unser irdisches Leben hinaus im Hinblick auf die Ewigkeit. Das ist eine Perspektive, die es in sich hat – und die Botschaft von Weihnachten.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit.

Johannes Grassl

 

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