Die Charakterrendite

Integrität zahlt sich aus: CEOs, die sich ethisch korrekt verhalten, führen Unternehmen erfolgreicher als solche, die es mit der Moral nicht so genau nehmen. Das heißt: Charakterschwache Führungskräfte ruinieren Unternehmen, starke integre Persönlichkeiten aber bringen sie nach oben – auch und vor allem wirtschaftlich.

An Nachrichten, dass durch das ethische Versagen von Managern Unternehmen großen Schaden erleiden, haben wir uns mittlerweile – leider – gewohnt. Doch gilt das gleiche auch umgekehrt? Sind Führungskräfte und Organisationen erfolgreicher, wenn sie sich nach hohen moralischen Prinzipien richten? Ja, betont der Harvard Business Manager (Ausgabe Heft 08/2015).

Eine vom HBM zitierte Studie der Managementberatung KRW International zeigt: CEOs, die von ihren Mitarbeitern gute Noten hinsichtlich ihres Charakters erhielten, kamen über einen Zeitraum von zwei Jahren auf eine fast fünfmal höhere Gesamtkapitalrendite als die Chefs mit schlechten Charakternoten.

Wie aber lässt sich Charakter messen und was sind die Erfolgskriterien? Die Forscher identifizierten vier moralische Prinzipien, auf die es besonders ankommt: Integrität, Verantwortung, Vergebung und Mitgefühl.

Vier Charaktereigenschaften sind besonders wichtig für Erfolg: Integrität, Verantwortung, Vergebung und Mitgefühl

Die „virtuosen CEOs“ stehen an der Spitze: Sie und ihre Managementteams erhielten bei allen vier Prinzipien hohe Bewertungen. Die Mitarbeiter berichteten, dass diese Führungskräfte „ein Verhalten an den Tag legten, das einen starken Charakter offenbarte – beispielsweise für das einzustehen, was sie für richtig hielten, ihrer Besorgnis um das Allgemeinwohl Ausdruck zu verleihen und Fehler (sowohl die eigenen als auch die anderer) zu verzeihen. Außerdem zeigten sie Empathie.“

Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die „selbstfokussierten CEOs“. Ihre Mitarbeiter beschrieben sie häufig als Personen, die es – wenn es ihnen gerade nützt – mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen und die vor allem sich selbst und ihre finanzielle Sicherheit im Blick haben, unabhängig davon, welche Kosten das bei anderen verursacht. Die Mitarbeiter gaben zu Protokoll, dass die selbstfokussierten CEOs ihre Versprechen nicht immer halten würden, häufig die Schuld auf andere abwälzen, regelmäßig wohlmeinende Leute für Fehler bestraften und besonders schlecht darin seien, sich um andere zu kümmern.

Am Anfang des Projekts gingen die Forscher davon aus, dass sie nur einen relativ kleinen Zusammenhang zwischen der Charakterstärke der CEOs und der wirtschaftlichen Leistung der Unternehmen finden würden. „Ich hatte nicht erwartet zu entdecken, wie robust die Verbindung wirklich ist“, sagt KRW-Mitgründer Fred Kiel. Die virtuosen CEOs schnitten nicht allein bei den finanziellen Kennzahlen besser ab. Sie bekamen von den Angestellten auch bessere Noten in den Kategorien Vision und Strategie, Fokus, Verantwortlichkeit und Charakter des Leitungsteams.

Die charakterstarken CEOs schnitten nicht allein bei den finanziellen Kennzahlen besser ab. Sie bekamen von den Angestellten auch bessere Noten in den Kategorien Vision und Strategie, Fokus, Verantwortlichkeit und Charakter des Leitungsteams.

Fazit: Starke integre Persönlichkeiten bringen sich, andere (Mitarbeiter, Umfeld) und ihr Unternehmen nach oben! Wie aber gelingt die Verbesserung des eigenen Charakters? Ein guter Weg besteht darin, so Kiel, die Unterstützung von Mentoren und Beratern zu suchen. Die Stärkung und Entwicklung der Führungspersönlichkeit ist ein Prozess, der mit Ausdauer sowie guter Beratung und Unterstützung erfolgreich begangen werden kann.

Charakter ist weder einfach angeboren noch unveränderlich. Sie können ihn prägen und weiter verbessern, je mehr Sie entscheiden, handeln und andere anleiten. Ihre Mitarbeiter und Ihr Unternehmen profitieren davon.

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar